Großer Reibn – 5-Tages-Tour durchs Steinerne Meer – Teil 1

20190808_094502.jpgBenjamin und ich sind schon seit vielen Jahren enge Freunde. Früher spielten wir sogar zusammen in einer Band. Wir haben im gleichen Jahr angefangen zu studieren und wir mögen viele gleiche Dinge. Eins dieser Dinge ist die Natur. Ein anderes sind die Berge. Früher sind wir zusammen auf Metalfestivals gefahren und wenn es um die Frage geht mit wem ich mein Zelt teile, dann war die Antwort klar. Ich kenne wenige Menschen mit denen ich so gerne Zeit verbringe wie mit ihm. Nur gemeinsamen Urlaub haben wir noch nie gemacht. Das wollten wir diesen Sommer schleunigst ändern und ich hatte da auch schon eine konkrete Idee. Mir schwebte schon seit mehreren Jahren die Idee vor den Berchtesgadener Nationalpark einmal zu Fuß zu druchqueren. Benjamin, der noch nie eine mehrtägige Hüttentour durchs Gebirge gemacht hat, war leicht zu begeistern. Um Pfingsten war die Entscheidung also gefallen und ich machte mich an die Routenplanung und kümmerte mich um die Hüttenreservierung.

Vorbereitung

In den Sommermonaten einen Hüttenplatz zur reservieren ist gar nicht so ohne. Eine Reservierung empfiehlt sich inzwischen jedoch leider, wegen des großen Andrangs. Dies ist zwar einerseits ziemlich lästig, führt jedoch auch dazu, dass die Auslastung der Wanderwege kontingetiert wird. Trotz der knappen Vorlaufzeit von nur 6 Wochen konnte ich noch auf drei der vier geplanten Hütten zwei Plätze im Lager ergattern. Mit dem Wissen, dass alle Hütten vom Deutschen Alpenverein betrieben werden, war ich dann auch entspannt wegen der einen Übernachtung, die nicht reserviert werden konnte. Alpenvereinshütten dürfen nur 90% ihrer Schlafplätze vorab vergeben. Ein Zehnprozentkontingent müssen sie für AV-Mitglieder frei halten und selbst wenn die voll sind bekommt man immer einen Schlafplatz im Notlager. Das ist meistens die Gaststube oder ein Dachboden. Nachdem ich die Zugverbindungen gecheckt hatte, musste ich mir leider eingestehen, dass eine klimaneutrale Anreise nicht klappen wird. Die Zugverbindung nach Berchtesgaden ist ziemlicher Mist und führt notgedrungen zu einer Reisezeit von 7 Stunden, die uns einen kompletten Tag Wanderung zerschossen hätte. So mussten wir wohl oder übel das Auto nutzen.

Verpflegung

Abendessen und Frühstück nahmen wir jeweils auf den Hütten zu uns. Da wir uns gerne die vier bis fünf Euro für Lunchpakete am Tag sparen wollten, zumal wir beide Vegetarier sind und deshalb nicht immer sicher war, dass wir dann auch etwas fleischloses bekommen, hatten wir uns unser Reiseproviant fürs Mittagessen auf den Rücken geschnallt. Wir hatten für zwei Mann dabei:

15 Müsli-Riegel, 6 Äpfel, 500 gr Gewürzbrot, 2 Räuchertofu, 2 Seitan-Würste „Salami“, 2x 200g Nussmix, 4 Karotten und Behälter für insgesammt 4 Liter Wasser (eins davon mit Lifestraw-System)

Ausrüstung

Da unbeständiges Wetter diesen Sommer vorherrscht habe ich etwas mehr dabei als ich normalerweise mitnehmen würde, daher musste ich von 25 Liter auf 45 Liter umschwenken, was aber dem Essenstransport und der schnellen Erreichbarkeit zu gute kam.

Zip-Off Treckinghose, 3 Shirts, Kappe, Mütze, Handschuhe, Halstuch, 1 Kaputzenpullover, 2 Paar Wandersocken, 1 Paar Wollsocken, Wanderstiefel, Sandalen, Downjacket, Regenjacke, Waschbeutel, Microfaserhandtuch, Stirnlampe, Ohropacks, Buch, Hüttenschlafsack, Biwaksack, Erste-Hilfe-Set, Aquarellkasten und Skizzenbuch.

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Parken

Parkplätze im Berchtesgadener Land sind zwar reich gesäht, allerdings gibt es wenige an denen man 5 Tage stehen bleiben darf. Ein Parkplatz, der diese Möglichkeit bietet ist an der Wimbachbrücke, dem eigentlichen Ende der Route. Mit dem Gedanken, dass wir wenn wir nach den knapp 70 km keine große Lust mehr haben noch einen logistischen Aufwand zu betreiben um wieder ans Auto zu kommen, beschloßen wir kurzerhand einen Prolog von 6 km an den ersten Tag zu hängen und von Ramsau, wo die Wimbachbrücke ist zu wandern und somit am Ende direkt an unserem Auto herauszukommen. Das Parken kostete über die Parkster-App, die im ganzen Berchtesgadener Land funktionert gerade mal 24 Euro für 5 Tage.

Route

Unser Plan war es das Gebirge rings um den Königsee einmal gegen den Uhrzeigersinn zu durchwandern. Dabei wir das Gelände von Etappe zu Etappe anspruchsvoller von einfachem Wanderweg bis zu leichter, ausgesetzter Kletterei in niedrigem Grad. Die Etappen teilten wir wie folgt ein:

Tag 1 – Ramsau über den Malerwinkel zum Carl-von-Stahl-Haus (16 km 1000hm)

Tag 2 – Stahlhaus zur Wasseralm (12km 1100hm)

Tag 3 – Wasseralm zum Kärlingerhaus am Funtensee (8km 800hm)

Tag 4 – Kärlingerhaus über Riemannhaus zur Ingolstädter Hütte (12 km 1100hm)

Tag 5 – Ingolstädter Hütte über Wimbachgries nach Ramsau (14 km 400hm)

In den nächsten Wochen werd ich mich den einzelnen Etappen noch genauer widmen. Schaut einfach wieder rein. Kurze Zusammenfassungen findet ihr derweil auch schon auf meinem Instagram.

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Zwischen Stadt und Meer

Hohe Luftfeuchtigkeit und der salzige Geruch des Mittelmeers ist allgegenwärtig. Der Sommer war lang und heiß. Eigentlich hätte man gar nicht in den Süden fahren müssen um diese Wärme zu finden. Das Gegenstück der drückenden, schwülen Temperaturen ist das Meer mit seiner moderaten Temperatur. Flache Wellen brechen am Beton und Naturstein, der vom Drang nach immer mehr Fläche, ins Meer getrieben wurde. Die Stadt pulsiert am Rand wo urbaner Raum und Natur hart aufeinander treffen.

Das eigentliche Leben der Bewohner findet in verwinkelten Gassen statt. Dort ist es kühl und schattig. Der Himmel  ist nur in schmalen Streifen zu sehen und anscheinend ist es immer Dämmerung. Die salzige Luft versucht immer noch die Stadt wieder zurück ans Land zu treiben und greift die verputzten Fassaden an. Bringt sie sogar zum bröckeln, doch nie zum Einsturz. Dieser Kampf ist vergebens. Am Tag ist es still und Katzen dösen. Erst Nachts, wenn die Touristen satt sind, kehrt leben ein. Töpfe klappern, Musik wird gespielt. Lachen und Streit erfüllen die Straßen.

Immer im Zwiespalt zwischen alt und neu. Die Ästhetik alter Gebäude und die Anforderungen einer modernen Gesellschaft zerren an den Bewohnern, und auch an der Stadt selbst. Natürlich gewachsene Strukturen können den Anforderungen der Mobilität kaum noch stand halten. Als würde man zwei Bilder übereinander legen, sind zwei Städte in einer gefangen. Wenn sich die eine Stadt durchsetzt, so wird die andere zerstört und reißt ihren Zwilling in den Untergang. Ein sensibles Gleichgewicht der Realitäten.

[Alle Bilder wurden mit ein Diana Mini auf Kodak Ektachrome 35mm Film gemacht. Die Aufnahmen sind zwischen dem 23. August und dem 5. September 2018 in Rovinj und Pula entstanden.]