Ein Leben als Fußgänger

Das Auto wir ja immer als das Lieblingsthema der Deutschen bezeichnet. Mir sind Autos so was von egal. Im Idealfall haben sie vier Räder, die, wenn man das möchte, sich auch noch drehen. Bei meinem letzten Auto tun sie das nun nicht mehr oder nur noch unter Protest. Also freut sich nun ein Exporthändler über ein mittelmäßig gepflegtes Familienauto mit Dachgepäckträger. Und ich bin erst mal nur noch Fußgänger. Wie geht das jetzt also plötzlich autofrei zu leben?

Es ist nun fünf Jahre her, dass ich mir das erste Mal ein eigenes Auto kaufen musste. Ich war gerade Vater geworden und der Kleinwagen war irgendwie nicht groß genug für den Kinderwagen und den ganzen Kram, den man meint mitschleppen zu müssen. Als junge Eltern stellt man sich auch einfach ziemlich an. Also musste ich ein größeres Auto kaufen. Ich hatte gerade erst angefangen zu arbeiten. Tatsächlich hatte ich just mein erstes volles Gehalt als Architekt bekommen. Da ist man natürlich der Meinung man müsste nun ein großes, teures Auto kaufen. Über meine Naivität kann ich heute nur den Kopf schütteln. Dabei zu lächeln fällt mir irgendwie schwer.

CUT – Fünf Jahre später: Ich stehe im Autohaus, in welchem der silberne Diesel gerade auf der Hebebühne steht. Von unten kann man in den Motorraum schauen, der eigentlich gar nicht mehr so aussieht wie ein solcher. Man stellt sich da immer so Öl-triefend und schmutzig vor, doch ich sehe nur ein paar Kabel und einen zerfledderten Keilriemen, der da heraushängt zwischen dem vielen Plastik, und das sollte er eigentlich nicht machen. Glaube ich. Im Laufe der nächsten Tage stellt sich heraus, dass nicht nur der Keilriemen, sondern noch ein paar andere Teile nicht mehr funktionieren oder kurz davor sind kaputt zu gehen. Der Wagen ist finanziert und noch nicht komplett abgezahlt. So etwas nennt man einen wirtschaftlichen Totalschaden. Ich spüre wie in mir langsam eine Krise hochkocht. Sich Panik breit macht und Verzweiflung aufkeimt. Mir wird immer deutlicher, dass ich nun wohl kein Auto mehr habe. Ich versuche mich zu beruhigen. Andere versuchen mich zu beruhigen. Es nervt.

Mit jeder Stunde, in der ich meine Identität als Fußgänger mehr akzeptiere, wird der Gedanke angenehmer. Ja, es fühlt sich fast befreiend an. Nachdem ich durchgerechnet habe, wie viel ich jährlich an Steuern und Versicherungen für einen Gegenstand zahle, der mir eigentlich nur den geringen Komfort bereitet meine Wasserkiste nicht vom Supermarkt nach Hause zu tragen, muss ich wieder über meine Naivität den Kopf schütteln. Diesmal kann ich dabei sogar schmunzeln.

Seit gestern lese ich mir die verschiedenen Modelle und Angebote der Carsharinganbieter durch und vergleiche Wochenendtarife von Leihwagen-Ketten. Dabei komme ich zum Schluss, dass ein Leben ohne Auto ziemlich sorgenfrei sein kann und zumindest für jemanden wie mich, der in der Stadt wohnt, ziemlich unkompliziert möglich ist. Dabei spart man sich auch ordentlich Kohle und die Umwelt wird auch wieder etwas entlastet. Nun gilt es herauszufinden ob das wirklich alles so reibungslos funktioniert. Ich gebe mir dafür einen Versuchszeitraum von sechs Wochen. Genau dann geht nämlich der Camper wieder in die Zulassung und ich habe zumindest ein fahrtüchtiges, wenn auch nicht für den Stadtverkehr geeignetes, Fahrzeug.

Wer noch geheime Tipps hat für das Leben ohne Auto lasst mich daran bitte in den Kommentaren teilhaben!

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Ein Kommentar zu „Ein Leben als Fußgänger

  1. Hi,
    IMO ganz wichtig ist Dosenbier statt Glasflaschen, das Glas ist fast so schwer wie der Inhalt selbst 😀

    Ansonsten keine ad hoc Monatshamstereinkäufe tätigen sondern kleinere Besorgungen zwischen den Wegen mitnehmen evtl vorher planen was man jetzt noch braucht
    Sich mit dem Gedanken anfreunden einen modisch unvorteilhaften Rucksack für den Großeinkauf zu nutzen und/oder das schön cleane Fahrrad mit Gepäckträger, Taschen und Schutzblechen zu verschandeln.
    Ich hab im Rucksack immer noch eine Tasche falls es beim Einkauf doch zuviel wird. Persönlich mag ich aber eigentlich keine Taschen die nerven ganz schnell nur.

    Die ÖPNV Verkomplizierer sind ein eigenes spezielles Thema, vor allem verbundübergreifend.

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